Was ist wichtiger — viel Hubraum oder hohe PS-Zahl? Beide Werte beschreiben Eigenschaften eines Motors, sind aber nicht das Gleiche. Hier wird der Unterschied klar erklärt, plus die Frage warum älteren Sprüchen wie "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen" trotzdem etwas Wahres anhaftet.
Hubraum — die Größe des Motors
Der Hubraum ist das Gesamtvolumen aller Zylinder zusammen. Anders ausgedrückt: das Volumen, das die Kolben in einer Umdrehung verdrängen. Hubraum wird in Liter (l) oder Kubikzentimeter (ccm) angegeben — 2,0 l = 2.000 ccm.
Berechnung pro Zylinder:
V = (Bohrung)² × π / 4 × Hub
Bei einem Vierzylinder-Motor mit 80 mm Bohrung und 80 mm Hub ergibt das pro Zylinder:
V = 8² × 3,14 / 4 × 8 = ca. 402 ccm pro Zylinder
Vier Zylinder zusammen = 1608 ccm = ca. 1,6 Liter Hubraum.
Was Hubraum bedeutet:
- Mehr Hubraum = mehr Luftmenge pro Verbrennungstakt
- Mehr Luft = mehr möglicher Kraftstoff
- Mehr Kraftstoff = mehr Drehmoment
- Mehr Drehmoment bei niedriger Drehzahl = entspanntes Anfahren, gemütliche Beschleunigung
Leistung in PS oder kW — wie viel Arbeit pro Zeit
Die Leistung ist die Arbeit, die der Motor pro Zeiteinheit verrichtet. Sie ergibt sich aus Drehmoment und Drehzahl:
P (kW) = M (Nm) × n (1/min) / 9550
1 PS entspricht etwa 0,735 kW — oder umgekehrt: 1 kW = 1,36 PS.
Beispiel: Ein Motor mit 200 Nm Maximaldrehmoment bei 4.000 U/min hat eine Leistung von 200 × 4.000 / 9550 ≈ 84 kW oder 114 PS. Derselbe Motor mit Drehmoment-Maximum bei 6.000 U/min hätte 200 × 6.000 / 9550 ≈ 126 kW oder 171 PS.
Drehmoment — die Kraft des Motors
Das Drehmoment ist die Kraft, mit der der Motor an der Kurbelwelle "zieht". Wird gemessen in Newtonmeter (Nm). Zwei Motoren mit gleicher PS-Angabe können sich beim Fahren ganz unterschiedlich anfühlen, wenn ihr Drehmoment unterschiedlich verteilt ist:
- Hoher Hubraum (z.B. 6-Zylinder Sauger mit 3 Liter): Drehmoment über den ganzen Drehzahlbereich konstant hoch. Fährt sich entspannt.
- Kleiner Hubraum mit Turbo (z.B. 1,4 Liter mit Aufladung): Erreicht oft ein vergleichbar hohes Maximum-Drehmoment, aber erst nach dem "Anspringen" des Turbos.
- Hochdrehender Sauger (z.B. Sportmotor 2,0 Liter ohne Turbo, dreht bis 8.500 U/min): Niedriges Drehmoment, aber durch hohe Drehzahl viel Leistung.
Was ist nun besser — viel Hubraum oder viel PS?
Mehr Hubraum ist besser für:
- Anhänger-Betrieb, schwere Last
- Entspanntes, niedrigtouriges Fahren
- Lange Lebensdauer (läuft nie am Limit)
- Wenig Schaltarbeit beim Fahren
Mehr PS / hohe spezifische Leistung ist besser für:
- Sportliches Fahren, schnelle Beschleunigung
- Hohe Endgeschwindigkeit
- Geringeres Gewicht (kleinerer Motor)
- Steuerlich oft günstiger (in Deutschland nach Hubraum besteuert)
Spezifische Leistung — die heutige Realität
Eine wichtige Kenngröße ist die spezifische Leistung — Leistung pro Liter Hubraum. Bei alten Saugmotoren waren 50–60 PS pro Liter üblich. Moderne Turbo-Benziner schaffen 100 PS pro Liter, im Rennsport sogar mehr.
Diese Steigerung kam durch:
- Aufladung (Turbolader, Kompressor)
- Direkteinspritzung mit höherem Druck
- Variable Ventilsteuerung
- Bessere Materialien (höhere Drehzahlen möglich)
- Präzise Motorsteuerung mit modernen Sensoren
Die alte Faustregel "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen" stimmt also nicht mehr uneingeschränkt. Moderne 1,5-Liter-Turbomotoren erreichen die Leistung früherer 3-Liter-Sauger und sind dabei sparsamer.
Was beim Autokauf zählt: Schauen Sie nicht nur auf die PS-Zahl, sondern auch auf das Drehmoment-Diagramm. Ein Motor mit 150 PS, der seine 280 Nm Drehmoment schon ab 1.500 U/min liefert, ist im Alltag angenehmer als einer mit gleichem Maximalwert, der das Drehmoment erst ab 4.000 U/min entfaltet.
Was Hubraum noch beeinflusst
- Kfz-Steuer — wird teilweise nach Hubraum berechnet (plus CO2-Komponente bei Erstzulassungen ab 2009). Mehr Hubraum = mehr Steuer.
- Versicherung — die Typenklasse hängt eher vom konkreten Fahrzeugtyp ab, aber bei älteren Tarifen spielte Hubraum eine Rolle.
- Verbrauch — mehr Hubraum hat tendenziell mehr Verbrauch, vor allem im Teillastbereich. Aber moderne Hubraum-Reduktion (Downsizing) hat hier viel verändert.
PS steht für Pferdestärken — eine alte Einheit aus dem 18. Jahrhundert. 1 PS = 75 Kilogrammmeter pro Sekunde = ca. 0,735 kW. In der EU ist offiziell kW vorgeschrieben, aber im Alltag verwenden alle weiterhin PS. Offiziell kW. In Fahrzeugscheinen muss kW stehen. PS ist nur als Zusatz erlaubt. Weil Diesel-Motoren ein deutlich höheres Drehmoment haben — oft 50% mehr als ein vergleichbarer Benziner. Die maximale Drehzahl ist niedriger, daher die niedrigere PS-Zahl. Beim Beschleunigen aus dem Stand oder beim Anhänger-Betrieb dominiert aber das Drehmoment. Nicht zwingend. Ein großer Sauger fährt im Teillastbereich oft entspannter und damit sparsamer als ein kleiner Turbo, der dauernd ausgequetscht wird. Aber bei Volllast ist der große Motor immer durstiger. Auf einem Prüfstand. Das Auto wird mit allen Achsen oder einer Achse auf Rollen gefahren, gleichzeitig misst der Prüfstand das Drehmoment. PS wird dann errechnet.Häufige Fragen
Was bedeutet "PS" eigentlich?
Welche Einheit ist heute korrekt — kW oder PS?
Warum hat ein Diesel meist weniger PS, fährt sich aber kraftvoll?
Mehr Hubraum = mehr Verbrauch, immer?
Wie wird PS am Auto gemessen?
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